Gestern wurde der Deutsche Jugendliteraturpreis vergeben und ich bin sehr entzückt, dass ich sogar schon zwei der Preisträger-Bücher gelesen habe. Was mich allerdings noch mehr begeistert hat, dass der Sieger eine kleine Momo-Statue bekommt. Hätt ich das mal vorher gewusst, dann hätte ich das sogar noch in meine Bachelor-Arbeit einfließen lassen, denn immerhin sitzt Kassiopeia zu ihren Füßen. Ich finde, die Statue hat was - auch wenn ich erst dachte, dass sie die Frisur Frau von der Leyen nachempfunden haben. Naja.
Aber zurück zu den Büchern: Bei den Kinderbüchern konnte Andreas Steinhöfel mit “Rico, Oskar und die Tieferschatten” den Preis erringen. Das Buch ist wunderbar komisch geschrieben und spielt natürlich in Berlin. Rico, ein tiefbegabter Junge, freundet sich mit Oskar, einem hochbegabten Jungen, an – dass diese Konstellation zu witzigen Situationen führt, ist vorprogrammiert. Zusammen lösen sie einen Kriminalfall, im Mittelpunkt aber stehen die beiden Charaktere. Hier ein Ausschnitt:
Die Nudel lag auf dem Gehsteig. Sie war dick und geriffelt, mit einem Loch drin von vorn bis hinten. Etwas getrocknete Käsesoße und Dreck klebten dran. Ich hob sie auf, wischte den Dreck ab und guckte an der alten Fensterfront der Dieffe 93 rauf in den Sommerhimmel. [...] Ich ließ mich ins Haus ein, zischte durch das gelbgetünchte Treppenhaus rauf in den Dritten und klingelte bei Frau Dahling. Sie trug große bunte Lockenwickler im Haar, wie jeden Samstag.
“Könnte ‘ne Rigatoni sein. Die Soße ist auf jeden Fall Gorgonzola”, stelle sie fest. “Lieb von dir, mir die Nudel zu bringen, Schätzchen, aber ich hab sie nicht aus dem Fenster geworden. Frag mal Fitzke.”
Natürlich wurde nicht nur in der Kategorie Kinderbuch verliehen. Jugendbuch, Sachbuch und Bilderbuch kenne ich leider nicht, aber den Preis der Jugendjury, den habe ich gerade erst gelesen: Die Bücherdiebin von Markus Zusak. Wer sich kein dickes Hardcover leisten möchte, kann sich freuen, denn den Schmöker gibt’s nun auch im Taschenbuchformat.
Die Geschichte spielt im zweiten Weltkrieg und wird aus der Sicht des Todes erzählt. Ja, richtig, DER Tod. Hauptprotagonistin ist allerdings die kleine Liesel, die Bücherdiebin, die es im Laufe ihres Lebens immer wieder schafft, das ein oder andere besondere Buch zu stibitzen. Man darf sich nicht vertun, die Bücherdiebin ist kein heiteres Buch, sondern sehr ernst. Das Verlieren der Eltern, der Einzug in eine neue Pflegefamilie, Verlust von Freunden und die wahnsinnige Angst, der Liesel sich ausgesetzt sieht, all das fließt in die Geschichte der Bücherdiebin ein. Ich kann es nur empfehlen.
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